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Hans Ulrich gibt Erläuterungen zu den Ankunftszeiten heimischer Zugvögel in der Gersprenzniederung bei Münster von 1973 - 2010

hans

Die Freude über die alljährliche Heimkehr unserer Zugvögel zu einem bestimmten Zeitpunkt waren und sind für mich einer der Hauptgründe, die Erstankünfte über einen längeren Zeitraum aufzuzeichnen. Aber auch die Sorge um die Bestandsrückgänge bei vielen Arten waren ein weiterer Grund.

Wenn in unseren Breiten noch winterliche Wetterverhältnisse vorherrschen, sind in Afrika und in Südeuropa bereits die meisten Zugvögel auf der langen Heimreise zu ihren Geburtsorten in Europa und Asien. Ein wesentlicher Unterschied zum Herbstzug ist im Frühjahr der Fortpflanzungstrieb, der die ziehenden Vögel zu kürzeren Ruhepausen oder gar zum Nonstop-Flug antreibt, um schneller in ihrem angestammten Brutrevier anzukommen. Hinzu kommt die Ortstreue mit der die Vögel nicht nur ihren Geburtsort, sondern sogar wie bei den Mehlschwalben das selbe Nest wiederfinden.

Leider finden viele unserer heimischen Zugvögel nach ihrer Rückkehr veränderte oder für immer zerstörte Rast- und Brutgebiete vor. Beispielsweise sind Mehl- und Rauchschwalben in den letzten Jahrzehnten von vielen Existenzaufgaben kleinbäuerlicher Betriebe stark betroffen und ihr Bestand nimmt stetig ab. Waren beide Arten früher bei den Menschen als Frühlingsboten und Glücksbringer noch beliebt, so sind sie heute durch ein übertriebenes Reinlichkeitsempfinden an Häusern und in Ställen nicht mehr gern gesehen. Die Liste der Lebensraumzerstörungen wird immer länger und gerade im ländlichen Raum verschwinden Jahr für Jahr große Flächen unter dem Pflug oder unterm Asphalt.

Mit der Wahl des Jahresvogel 2008, dem Kuckuck, haben der der NABU und der LBV einen Vogel gewählt, der stellvertretend für viele Vogelarten aufzeigt, wie sich negative Umwelteingriffe auch in Zukunft auswirken werden. Als Langstreckenzieher wird der Kuckuck wohl einer der großen Verlierer im Kampf gegen Klimawandel sein. Schon seit mehreren Jahren ist sein Bestand stark rückläufig da auch seine Wirtsvögel, die Wiesenvogelarten durch Lebensraumzerstörungen stark betroffen sind. Ausgeräumte Feldfluren sind eben keine guten Voraussetzungen für eine große Artenvielfalt. Aber noch gibt es lebenswerte Naturraäume bei uns, und ein solcher ist die Gersprenzniederung zwischen Hergershausen und Münster. In diesen Lebensraum kehrte der Kuckuck in den letzten 35 Jahren fast immer pünktlich zurück. So kam er in der 2. Aprildekade 21 mal an, davon allein 6 mal am 14. April. Nur 9 mal kam er in der 3. Aprildekade an und nur 5 mal vor dem 10. April. Diese respektable Leistung wird noch getoppt, wenn man bedenkt, daß der Jungkuckuck von einem fremden Elternpaar erbrütet und aufgezogen wurde und im unglaublichen Alleinflug den Weg bis nach Mittelafrika und zurück geschafft hat. Ob der Kuckuck es schafft, in den nächsten Jahrzehnten früher als bisher zurückzukommen, wird ausschlaggebend für das Fortbestehen sein Art sein.

Beim Pirol, ebenfalls ein Langstreckenzieher, könnte dies möglich sein, da er seit über zehn Jahren bereits eine Woche früher in seinem Brutrevier ankommt, als in den Jahren zuvor.

Auch bei den sogenannten Frühlingsboten oder Frühankommern könnte es auch möglich sein. In den zurückliegenden milden Wintern blieben Rotmilan, Kiebitze, Bekassinen, Hohltauben, Feldlerchen, Wiesenpieper, Bachstelzen, Rohrammern hier und wichen nur in kälteren Tagen in den Südwesten Europas. Sogar einzelne Hausrotschwänze, Mönchsgrasmücken und Zilpzalpe überwinterten bereits in den letzten Jahren.

Aus meinen langjährigen Aufzeichnungen von ca. 60 Zugvogelarten habe ich 45 Arten ausgewählt und deren Ankunftsdaten beigefügt.