
Neuansiedelung von Uferschwalben im Jahre 2009 in Münster
Die Uferschwalbe, riparia riparia, ist die kleinste unserer drei einheimischen Schwalbenarten und ist, wie der Name schon sagt,
auf Steilwände und Uferabbrüche an Flüssen oder Seen angewiesen, in die sie ihre Brutröhren graben kann. Leider sind Uferschwalbenbrutplätze
fast nur noch an Baggerseen zu finden. So auch im Altkreis Dieburg, wo rund um Babenhausen ca. 400 Brutpaare jährlich an verschiedenen
Baggerseen ihre Brutplätze haben.
Die letzten Bruten in Münster fanden in den 1950er Jahren in einer Sandkaute hinter dem heutigen Eli-Center statt und an einigen Abbruchkanten am Stillgraben.
Im September 2008 ließ die NABU-Gruppe Münster im NSG "Auf dem Sand" eine etwa 100m lange Abbruchkante mit einer Höhe von 3m anlegen.
Der Aushub wurde zu einem Dünenzug aufgeschüttet und vor der Abbruchkante wurde eine Flachwasserzone angelegt.
Diese Maßnahme ist vor allem für wärmeliebende Pflanzen und Tierarten, wie Sandlaufkäfer, Oedlandschrecke, Kreiselwespe oder Silbergrasfluren,
Grasnelken, Heidenelken, Natternkopf, Königskerzen u.a.m. von Bedeutung.
Anfang Juni 2009 wurden vor der Abbruchkante im Flachwasser Laichschnüre von Kreuzkröten vorgefunden. Dabei fielen zwei frisch gegrabene Röhren
in der Wand auf, die auf Uferschwalben hinwiesen. Am 12.06.2009 konnte beobachtet werden, wie an beiden Röhren abwechselnd Uferschwalben ein- und ausflogen.
Die Altvögel fütterten bereits zum 01. Juli an 6 beflogenen Röhren fleißig ihre fast flüggen Jungen. Am 15. Juli konnten über 30 Uferschwalben,
die vor und über der Steilkante umherflogen, beobachtet werden. Am 02.08.2009 wurde noch immer gefüttert und am 09.08.2009 wurden 15-20 Schwalben letztmals beobachtet.
Im Spätherbst 2009 wurden auf einem angrenzenden, gekauften Grundstück Baggerarbeiten durchgeführt um weitere Dünenzüge und ein größeres Flachgewässer
vor der Abbruchkante anzulegen. Dabei wurde die Steilwand nochmals abgezogen und etwas am Fuße vertieft.
Der NABU Münster freut sich über die spontane Neuansiedlung der Uferschwalben nach über fünf Jahrzehnten Abwesenheit und hofft,
dass sich auch in den nächsten Jahren eine kleine Kolonie an dieser Maßnahme erfreut.
Nach der Erweiterung der Abbruchkante Ende 2009 siedelten 2010 spontan 70-80 Uferschwalbenpaare in der Wand, womit wohl keiner gerechnet hätte. Insgesamt wurden 164 Röhren gezählt.