NABU Münster-Hessen
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Die renaturierte Gersprenz

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gersprenzniederung zwischen Münster und Hergershausen ein Paradies für Tiere und Pflanzen. Ab 1938 wurde jedoch eine Begradigung vorgenommen, die eine tiefgreifende Änderung des ehemals etwa 250 ha großen Feuchtwiesengebietes einleitete. Entwässerungsmaßnahmen, Grundwasserabsenkungen und Grünlandumbruch taten ein Weiteres. Die verbliebenen Wiesen wurden überwiegend intensiv genutzt und gedüngt. Dies führte zum Niedergang der beeindruckenden Vogelwelt. Weißstorch, Wachtelkönig, Großer Brachvogel und zahlreiche weitere Arten zeigten erhebliche Rückgänge.

 

Um dem Fluss wieder Raum für Ausbreitung zu geben, wurde der tief liegende Flusslauf an einigen Stellen aufgebrochen und Nebenarme geschaffen. Mehrere Polder wurden gebaut und ein Windrad wurde installiert, das bei hohem Wasserstand Wasser aus der Gersprenz in die umliegenden Wiesen pumpt, um so Lebensraum für all jene Arten zu schaffen, die auf Feuchtwiesen angewiesen sind. Diese Maßnahmen führten zur erfolgreichen Wiederansiedelung zahlreicher Arten. Im Gebiet brüten Bekassine, Kiebitz, Flussregenpfeifer, Wachtel, Knäkente, Zwergtaucher, Schafstelze, Pirol, Grauammer, Wiesenpieper und sporadisch Braunkehlchen, Neuntöter und Brachpieper.Ein gut begehbarer Weg, der im Flurbereinigungsverfahren angelegt wurde, begleitet das Fließgewässer und bietet gute Beobachtungsmöglichkeiten.

Im Sommer 2008 siedelte sich im Renaturierungsbereich eine neue Tierart an: der Biber. Er war seit dem 19. Jahrhundert in Hessen ausgestorben und wurde im Jahr 1988 im Main-Kinzig-Kreis wieder eingebürgert. Sein Bestand hat sich in den darauf folgenden Jahren kontinuierlich erhöht und die Art breitet sich nun in die angrenzenden Gewässersystemen aus.

 

Biber sind für ihre charakteristischen Damm- und Burgbauten bekannt. Sie gestalten ihren Lebensraum durch das Fällen von Bäumen und sorgen so für Dynamik im Fließgewässer.


Einem Biber, der bei uns seit langem ausgerottet war, gefiel die renaturierte Gersprenz so gut, dass er dem nahen Main den Rücken kehrte und - zusammen mit seiner besseren Hälfte - bei uns ein neues Zuhause fand.

Lokation der renaturierten Gersprenz

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